People: Ein Gespräch mit Stelli

Wir haben einen der gefragtesten Hair Stylisten der Branche getroffen: Stelli, dessen Name eine Abkürzung seines Vornamens griechischer Herkunft ist. Die Mischung aus Klassik und Moderne ist in seiner Ästhetik deutlich zu erkennen, denn er hat ein Faible für Eleganz und Zeitlosigkeit. Auszüge seiner Arbeit zeigt er auf Instagram unter @stellihair und auf seiner Website.

Gab es einen Schlüsselmoment in deinem Leben, in dem dir klar wurde, dass du Hair Stylist werden möchtest? Welcher war es?

Den gab es, sehr früh sogar. In meiner Kindheit, als fünf- oder sechsjähriger wechselte meine Mutter aus irgendeinem Grund den Friseur. Dort, an dem für Kinder vorgesehen Hochsitz sitzend, sah ich über dem Spiegel ein Foto von einem Typen mit einem unglaublich satten und lässigen Pompadour: Es war James Dean. Zudem hat mich der Friseur handwerklich sehr fasziniert. Ich wusste sofort: Das ist es, was ich später auch machen möchte! Ähnliches passierte mir zum wiederholten Male als knapp 13-jähriger bei einem anderen Kollegen, beide hatten auf eine ähnlich intensive Art und Weise das Interesse an diesem Beruf in mir ausgelöst und es gab keine Zweifel und auch keinen Plan B für mich.

Wie ist deine Karriere verlaufen?

Auch das fing verhältnismäßig früh an. In der siebten und achten Klasse absolvierte ich zwei Praktika in einem Salon, in dem das Durchschnittsalter der Kunden etwa 70 Jahre war. Mir war zu dem Zeitpunkt alles lieber als die Schulbank zu drücken – selbst die Arbeit bei und mit den Grannys. Nach dem Schulabschluss folgte noch ein Praktikum, bevor die Ausblidung in einem angesagteren Salon des Ortes begann. Dort wurde ich relativ schnell ins kalte Wasser geworfen, denn die Taktung der Terminvergabe war sehr knapp, welches einen zügigen Aufbau meines eigenen Kundenstamms mit einherbrachte. Das lehrte mich unter Zeitdruck zu arbeiten – Skills, die ich heute noch abrufe wenn ich zügig zum Ergebnis kommen muss. Bei meinem nächsten Arbeitgeber lag der Fokus auf französischen old school Frisiertechniken: Rundbürsten, Brenneisen, Lockenwickler, etc. Eingelegte Frisuren und toupierte Up Do’s waren an der Tagesordnung. Die nächste Station war ein renommiertes Unternehmen, hier traf ich auf Trainer mit Backgrounds von Vidal Sassoon und Toni&Guy. Ein großes Glück, beide Philosophien unter einem Dach vereint und nacheinander beigebracht zu bekommen. Ich lernte britische Haarschneidetechniken in Perfektion und machte im Anschluss noch eine Weiterbildung zum Coloristen. Weiter ging es in die Schweiz zur Make-Up-Schule. Da mein Interesse für Fotoshootings wuchs und ich als Freelancer Fuß fassen wollte, war es von Vorteil Make-up-Grundkenntnisse zu haben. Um herauszufinden was mir als Freelancer am meisten lag, nahm ich erstmal all die Jobs an, die mir angeboten wurden. Nach zweieinhalb schleppenden Jahren ging es dann stetig aufwärts.

Was hat dich so weit gebracht, was war von Nutzen?

Fachlich ist es definitiv die Tatsache, im ersten Jahrzehnt meiner Karriere von all meinen unterschiedlich spezialisierten Mentoren verschiedene Techniken gelernt zu haben, um je nach Anforderung die richtige abrufen zu können. Persönlich war und ist es immer noch die Kritik und Tipps von Freunden und Kollegen, deren ästhetisches Empfinden ich schätze. Dann natürlich eine Portion Ehrgeiz und auch Menschen, die nicht an mich geglaubt haben.

Gab es Momente, in denen du deinen Weg in Frage gestellt hast?

Die gab es besonders im ersten Drittel meiner Karriere, jeder Wechsel war wie eine neue Ausbildung und ich hatte das Gefühl wieder bei null angefangen zu haben. Aber wenn ich Revue passieren lasse, war es das Beste was mir hätte passieren können. Das Fachliche ist das eine, aber das Straucheln hat mich wirklich wachsen lassen, denn sonst hätte ich manchen Situationen nicht fachlicher Natur in meiner späteren Karriere nur sehr schwierig standhalten können. So ungemütlich Nervosität und Lampenfieber sein mögen, können sie trotzdem zur Bestform anspornen. Es ist gut, sich seiner Fähigkeiten aber auch Grenzen bewusst zu werden und zu ihnen zu stehen. So nimmt man dem Perfektionismus, der sehr anstrengend sein kann, den Wind aus den Segeln und kann sich selbst realistischer einschätzen.

Das Wort Haare: Welche Gefühle löst es bei dir aus? Welche Assoziationen, was verbindest du damit?

Ich denke ans Anfassen, Berühren, Fühlen, Bewegung.

Kunst & Kreation liegen nah beieinander, manche Looks sind Kunstwerke und prägen ganze Jahrzehnte. Unterscheidet sich deine Arbeit von der eines Künstlers?

Vielleicht habe ich eine künstlerische Ader, als Künstler habe ich mich jedoch nie gesehen, ertappe mich aber oft dabei wie mein Herz höher schlägt, wenn ich etwas Zeitloses sehe: Das gilt für Haare, Design, Mode oder Fotografie. Es liegt nahe, dass durch die Verbindung aus Modernem mit Klassischem oft Zeitloses entsteht. Mit ein Grund weshalb vieles mit Substanz und gutem Fundament aus vergangenen Jahrzehnten und Epochen immer wieder neu interpretiert werden kann. Das hat alles seine Daseinsberechtigung und wird immer dem Beliebigen standhalten können.

Wie lange bist du schon in der Beauty & Fashion Industry unterwegs?

Dieses Jahr sind es 30 Jahre.

Was hat sich in der Branche zum Vorteil verändert?

Es sind die Produkte, die Tools und die schnellere Kommunikation in Film und Bild, da hat sich einiges sehr zum Guten verändert.

Und was zum Nachteil?

Die unkontrollierte, unselektierte Information auf Social Media: Sie führt zu Beliebigkeit und Wertverlust. Vieles ist ohne Substanz, die Wahrnehmung wird verschoben und es entsteht ein Gap zur Realität. Auch die Kürzungen von Zeit, Aufwand und Budgets sind traurig zu beobachten, der Sparmodus und Zeitdruck für mehr Profit in so vielen Bereichen ist nicht förderlich für gute Produkte oder Ergebnisse.

Was wäre aus deiner Sicht förderlich für ein gutes Produkt oder ein gutes Ergebnis?

Sich zu besinnen, zu reduzieren, Raum zu lassen um solide zu wachsen. Die eigene Selbstwahrnehmung und Kompetenz zu hinterfragen, bevor man Entscheidungen trifft, die auch auf andere Einfluss haben. Die Seele einer Marke entsteht im Schöpfungsprozess, in der Gestaltung, mit Emotionen und Herzblut. Das spürt am Ende der Kunde, dessen Bedürfnisse bestenfalls widergespiegelt werden. Das ebnet den Weg zum Erfolg.

Was würdest du ändern, wenn du die Möglichkeit hättest?

Die Fast Tracking-Kultur, die sich etabliert hat. Sie lenkt ab und vermittelt Unerfahrenen zum Teil Falsches. Sie raubt dem Wesentlichen Substanz und suggeriert im selben Zug Superstar-Mentalität. Ich wünschte sowohl der Wert als auch der Selbstwert würde sich nicht über die Anzahl der Follower und Likes definieren. Hoffentlich wird in Zukunft diese Fehlleitung, die zu einer Kompetenzillusion und Selbstüberschätzung führen kann, bemerkt und korrigiert.

Wie bist du eigentlich auf ILES FORMULA gestoßen?

Da muss ich ein wenig ausholen, denn bevor ich auf ILES FORMULA stieß, bin ich vor knapp über 20 Jahren auf Wendy Iles persönlich gestoßen. Das war sowohl die erste als auch eine der einschneidendste Erfahrung mit ihr, gleich zu Beginn meiner Karriere als Freelancer. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass sie sich daran erinnert, ich würde aber diese Gelegenheit gern nutzen, um mich für diese Erfahrung bei ihr zu bedanken.

Sehr gern – welche Erfahrung war es?

Damals war ich noch ziemlich unerfahren und bin bei einer Zusammenarbeit mit ihr ein zu großes Risiko eingegangen. Sie hat es nicht mal bemerkt, aber sie hat einen sehr großen Teil dazu beigetragen, dass ich geschmeidig aus dieser unangenehmen Situation heraus kam…
Es war mein allererster Werbespot, ein Hair Commercial, eine große Produktion mit viel Verantwortung für viele von uns am Set. Wie so oft waren wir unter Zeitdruck. Ich war als Colorist gebucht, ein dunkelhaariges Model sollte um einige Töne heller gefärbt werden. Sie hat mich angefleht keine Blondierung zu benutzen. Ich wusste aber, ohne Blondierung würde ich nicht ganz das Ergebnis erreichen, welches der Kunde sich wünscht. Unerfahren wie ich war, wollte ich es sowohl dem Kunden als auch dem Model recht machen. Ein grober Fehler, denn ich hätte diese Entscheidung sowohl mit dem Kunden als auch mit Wendy besprechen müssen, aber ich habe mich im Alleingang gegen die Blondierung und für die Hellerfärbung entschieden. Das Resultat: Gut ein Ton dunkler als der Kundenwunsch. Bei der Farbabnahme mit dem Kunden und Wendy war ich felsenfest davon überzeugt, dass mir das Ergebnis so nicht abgenommen werden würde. Innerlich schwankte ich in einem Boogie Woogie der Gefühle zwischen Angst und Unsicherheit. Doch Gott sei Dank passierte das Unvorhergesehene, womit ich in diesem Moment niemals gerechnet hätte: Wendy schaute sich das Model und die Haarfarbe an, drehte sich zum Kunden und sagte: “Es ist zwar ein Ton dunkler aber ehrlich gesagt sieht es sehr harmonisch zu ihrem Hautton aus – wir sollten das so beibehalten und nicht heller werden.” Sie hat rein fachlich argumentiert aber gleichzeitig, ohne es zu merken, hat sie mich vor dem Schlimmsten bewahrt, was mir an jenem Tag hätte passieren können! Ich glaube jeder in der Branche weiß, was das bedeutet. Commercials sind handwerklich eine der Königsdisziplinen, demnach kann man sich auch vorstellen, was für eine Erleichterung ihre Worte für mich waren. She saved me! Ohne es zu merken…
Der Druck, die Last, die mir von den Schultern fiel, war enorm. Natürlich ist mir so etwas nie wieder passiert und es war ein Lernmoment, nicht nur für die Situation selbst damals, sondern auch, weil diese Erfahrung für viele Projekte danach hilfreich war und ich davon noch immer profitiere. Mir wurde klar, dass ich solche Entscheidungen bei derartigen Jobs nicht im Alleingang treffen kann. In diesem einen Fall habe ich die Haarqualität des Models gerettet und Wendy mich, wenn auch unbewusst. Dafür bin ich ihr sehr dankbar

Eine schöne Geschichte, vielen Dank! Was hat dich noch besonders geprägt oder beeinflusst?

Beruflich waren das sicherlich meine Mentoren. Jede(r) von ihnen hatte ganz eigene Stärken, ob es fachlich oder zwischenmenschlich war. Letzteres ist nicht zu unterschätzen. Selten treffe ich den ein oder anderen noch, das sind wunderbare Begegnungen: Dankbarkeit von meiner Seite aus und auf der anderen Seite eine Art Stolz und Zufriedenheit diesen oder einen Teil meines Weges begleitet und auch geebnet zu haben.
Beeinflusst hat mich auch die analoge Fotografie. Ich hatte das Glück, einige Jahre mit Fotografen der analogen Generation gearbeitet zu haben, die das Handwerk von Grund auf beherrschten, bevor sie auf digital umsteigen mussten. Analog war ein völlig anderes Arbeiten. Uns wurde mehr Zeit eingeräumt, weniger Motive verlangt, wir mussten präziser sein, es wurde weniger retuschiert, mehr Gefühl war gewünscht. Alles musste schon ziemlich auf den Punkt sein, bevor auf den Auslöser gedrückt wurde. Ich bin ein großer Old School Fan und mag traditionelles Handwerk. Die innere Ruhe, die bei Hingabe und Leidenschaft entsteht, empfinde ich als wertvoll.

Wen würdest du gern einmal stylen und warum?

All diejenigen, die emotional etwas in mir auslösen oder bei denen ich eine gewisse Anziehung verspüre. Nicht selten sind es sowohl sensible als auch starke Persönlichkeiten, die intime Momente schaffen – oft habe ich das beim Fotografieren eines Portraits erlebt.
Der Spirit, der bei solchen Shootings mitschwingt, trägt unter anderem einen großen Teil dazu bei, dass ein Foto den Betrachter berührt oder sogar fesselt. Auch wenn es vor Ort nicht immer auf den ersten Blick sichtbar ist, wie das Set oder das Styling, aber es ist fühlbar und beeinflusst das Ergebnis, so wie die Musik im Hintergrund übrigens auch. Erst wenn das alles zusammen verschmilzt kommt es zu einem stimmigen Ergebnis. Ob es den Geschmack des Betrachters trifft ist erstmal sekundär, primär sollte es stimmig sein.

Und die Frisur?

Die Frisur ist ja nicht immer vordergründig, nicht selten sogar mit einem geringen Aufwand, insbesondere bei einem Portrait. Es kommt schonmal vor, dass der- oder diejenige schon vieles mitbringt, was es für das jeweilige Ergebnis braucht – dann bedarf es vielleicht nur eine kleine Korrektur oder das richtige Produkt zur Optimierung. Das zu erkennen braucht Courage und Erfahrung. Umso spannender wird’s doch wenn durch Attitude, Haltung, Ausdruck in den Augen oder Bewegung nicht nur die Haare, sondern auch der Moment zum Leben erweckt wird.

Welche Erfahrung hat dich in deiner persönlichen Entwicklung gestärkt?

Im Laufe der Jahre meine Stärken aber vor allem meine Schwächen zu erkennen, sie anzunehmen, und keine Angst davor zu haben, diese frei heraus zu benennen. Natürlich versuche ich, wie viele andere auch, meinen Vorstellungen nach das Optimum zu erreichen. Aber durch die Erkenntnis, dass es in Ordnung ist, wenn ich an die Grenzen meiner Fähigkeiten gerate oder keinen Einfluss auf etwas habe, wurde ich über die Jahre etwas gelassener.

Was hilft dir in schwachen Momenten?

Auszeiten zum Reflektieren, meine liebsten, mein Inner Circle, diejenigen, die meine Marotten und Schwächen kennen. Sie geben mir Halt, wenn ich ihn brauche.

Ein Beitrag von

ILES FORMULA Team Member Chris

ILES FORMULA Member Chris

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